Artenvielfalt
Gebiete von naturkundlichem Wert
Der Geopark zeichnet sich durch ein Mosaik außergewöhnlicher Artenvielfalt aus und umfasst naturkundlich wertvolle Gebiete wie den Nationalpark Val Grande, zwei Regionalparks (Alta Valsesia und Alta Valle Strona sowie Monte Fenera, die nun unter die Zuständigkeit der Verwaltungsbehörde für Schutzgebiete des Valsesia fallen) sowie die besonderen Naturschutzgebiete Sacro Monte di Varallo, Sacro Monte della SS. Trinità di Ghiffa und Sacro Monte Calvario di Domodossola. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Gebiete von gemeinschaftlichem Interesse (SIC) und besondere Schutzgebiete (ZPS): Es handelt sich dabei um zentrale Punkte des Netzwerks „Natura 2000“, einem von der Europäischen Union geförderten Naturschutznetzwerk, das darauf abzielt, die für die europäische Biosphäre typischen und vom Aussterben bedrohten Lebensräume sowie Tier- und Pflanzenarten zu schützen. Von besonderer Bedeutung ist schließlich das UNESCO-MAB-Biosphärenreservat Ticino Val Grande Verbano.
Nachfolgend die vollständige Liste:
- Nationalpark Val Grande
- Naturpark Alta Valsesia und Alta Val Strona
- Naturpark Monte Fenera
- UNESCO-MAB-Biosphärenreservat Ticino Val Grande Verbano
- Sonderreservat Sacro Monte di Varallo
- Sonderreservat des Sacro Monte der Heiligen Dreifaltigkeit von Ghiffa
- Sonderreservat des Sacro Monte von Domodossola
- Naturschutzgebiet Fondo Toce
- Naturschutzgebiet „Baragge“
- Oasi Zegna
- Natur-Oase „Bosco Tenso“
- Natur-Oase Pian dei Sali
- Gebiete, die zum Natura-2000-Netzwerk gehören (Fondo Toce, Greto des Flusses Toce, Nationalpark Val Grande, Lago di Mergozzo und Mont’Orfano, Campello Monti, Monte Fenera, Val Sessera, Laghetto di S. Agostino, Val Mastallone, Alta Valsesia sowie die Täler Otro, Vogna, Gronda, Artogna und Sorba)
Flora: ein pflanzliches Kaleidoskop
Die enorme Vielfalt der Umweltbedingungen sorgt für eine üppige und abwechslungsreiche Flora im Geopark, in der auch seltene oder endemische Arten vorkommen.
In den tieferen Lagen überwiegen gemischte Laubwälder, in denen die Kastanie reichlich vorkommt, begleitet von anderen Arten wie der Esche, verschiedenen Eichenarten, der Birke, dem Ahorn, der Zitterpappel, dem Wildkirschbaum und der Weide. Unter diesen Arten hat sich mittlerweile auch eine nicht heimische Art, die Robinie, eingebürgert.
Mit zunehmender Höhe dominiert hingegen die Buche gegenüber den anderen Baumarten, zusammen mit Fichten- und Weißtannenwäldern von begrenzter Ausdehnung.
Weiter oben ist die Lärche reichlich vertreten, die in einigen Gebieten regelrechte Wälder bildet, während sie in anderen aufgrund des Klimas und der in den vergangenen Jahrhunderten durchgeführten Abholzungen nur spärlich vorkommt. Steigt man weiter in den Wald hinauf, treten Sträucher an die Stelle der Bäume: Die Grüne Erle, zusammen mit Farnen und Moosen, findet sich an den kühleren und feuchteren Hängen; Rhododendron und Heidelbeere siedeln sich bevorzugt entlang der Kämme oder Felsvorsprünge sowie an sonnigen Hängen an.
Noch höher gelegen finden sich Almweiden, und dort, wo die Umweltbedingungen rau werden, überleben nur die Pionierarten extremer Lebensräume. Zu den seltensten Pflanzenarten zählen die Alpen-Akelei, der Gelbe Enzian, die Glockenblume (Campanula excisa) und die Alpen-Tulpe.
Es gibt einige Gebiete, in denen besondere Bedingungen die Konzentration bestimmter Arten begünstigen: In der Nähe von Hütten und Tränken kommen Alpenrhabarber, Wildspinat, Klee, Brennnesseln und Minze reichlich vor. Die Schluchten, besondere Lebensräume von vorrangigem europäischem Interesse, beherbergen Eiben, Erlen, Linden und Ahornbäume. In den Gebieten, die durch basische Gesteine gekennzeichnet sind, kommen seltene Arten wie die Kärntner Skopolia, der Piemont-Knoblauch und der Duftende Cneoro vor; auf Marmor wächst die Wildpfingstrose; noch seltener sind die Hirschzunge, der Blühende Farn und der Frauenhaarfarn. Auch die Vielfalt an Moosen, Pilzen und Flechten ist beträchtlich.
Fauna: Ein Rückzugsgebiet für Wildtiere
Die Tierwelt des Geoparks spiegelt dessen geologische und floristische Vielfalt wider: Sie ist reichhaltig und vielfältig, ebenso wie die Lebensräume des gesamten Gebiets Sesia-Val Grande, in dem auch Lebensräume und Tierarten vorkommen, die in die Schutzlisten auf EU-Ebene aufgenommen wurden.
Die Lebensräume sind äußerst vielfältig: Wiesen, Ackerflächen, Weiden, Heideflächen und Wälder sowie besondere Lebensräume wie die Felslebensräume an den Kalksteinwänden oder die extremen Lebensräume in großer Höhe. Nicht zu vergessen sind schließlich die Übergangszonen (Ökotone) zwischen den verschiedenen Lebensräumen, die eine außerordentlich reiche Artenvielfalt aufweisen. Innerhalb des Geoparks gibt es auch Gebiete mit äußerst geringer menschlicher Prägung, eine Folge der Aufgabe durch den Menschen nach jahrhundertelanger Nutzung. Es handelt sich um Gebiete von außerordentlichem Interesse, die es ermöglichen, die natürliche Entwicklung der Lebewesen zu untersuchen, die nicht mehr durch frühere menschliche Aktivitäten beeinflusst werden. Angesichts des Vorkommens zahlreicher Arten von großem wissenschaftlichem Interesse (von denen einige selten oder endemisch sind) wurden im Gebiet des Geoparks zahlreiche Studien durchgeführt, die auch durch europäische Projekte finanziert wurden, beispielsweise LIFE Carabus und LIFE WolfAlps.
Unter den zahlreichen Säugetieren, die den Geopark bevölkern, sind der Hase, das Eichhörnchen, der Marder, der Siebenschläfer, die Spitzmaus sowie weitere kleine Nagetiere und Insektenfresser zu nennen. Auch Rehe und Hirsche sind vertreten, und in höheren Lagen trifft man auf die typischen Bewohner der Alpenwelt wie Steinbock, Gämse und Murmeltier.
Es gibt sehr viele Vogelarten, von denen einige von besonderem ökologisch-naturkundlichem Interesse sind, wie die Ziegenmelker, der Wespenbussard, der Wanderfalke oder der seltene Schwarzstorch, der im Gebiet des Monte Fenera nistet. Im Geopark verlaufen zudem einige Zugwege, denen Tausende von Vögeln folgen, die im Herbst in ihre Überwinterungsgebiete ziehen.
Dank der Fülle und Qualität des reichlich fließenden Wassers – auch dank der ergiebigen Niederschläge – lebt in den Bächen und Feuchtgebieten eine artenreiche Fauna. In den Gewässern des Sessera ist eine der seltensten Muschelarten Italiens zu finden: Falkneria camerani.
Bedeutende Arten finden sich schließlich auch unter den Insekten, insbesondere unter den Käfern; darunter Carabus lepontinus, eine endemische Art, die ausschließlich an den Hängen des Monte Zeda vorkommt, und Carabus Olympiae, eine weitere endemische Art, die seit 1983 unter Naturschutz steht und am westlichen Rand des Geoparks im oberen Valsessera lebt.
Ein empfindliches Gleichgewicht
Die Artenvielfalt des Geoparks Sesia Val Grande ist das Ergebnis eines empfindlichen Gleichgewichts zwischen natürlichen Faktoren und menschlichen Aktivitäten. Eine nachhaltige Raumplanung, der Schutz der Lebensräume und die Umwelterziehung sind von grundlegender Bedeutung für die Erhaltung dieses Naturerbes.
Der Geopark fördert Initiativen zur Überwachung der Artenvielfalt, Forschungsprojekte und Bildungsmaßnahmen, um die Bevölkerung für die Bedeutung des Umweltschutzes zu sensibilisieren. Mit diesen Bemühungen soll der Erhalt der Flora und Fauna für künftige Generationen gewährleistet werden.