Monte Vadà
Der Monte Vadà besteht aus sehr hartem und erosionsbeständigem Gestein: den Occhiadi-Ortogneisen. Er liegt auf einer Höhe, die über der vom Gletscher erreichten Höhe liegt, und seine Hänge wurden durch Frost und Tauwetter geformt. Der Monte Vadà hebt sich vom Gebirgskamm des Monte Spalavera und des Bavarione ab, da er größtenteils aus Orthogneis besteht. Auch hier zeigt sich, wie beim Monte Morissolo, dass ein enger Zusammenhang zwischen Lithologie (Gestein) und Morphologie (Formen) besteht, wobei das Relief dort, wo die sehr erosionsbeständigen Occhiadino-Orthogneise vorkommen, ausgeprägter und schroffer wird. Orthogneise sind metamorphe Gesteine, die aus intrusiven Gesteinen granitischer Zusammensetzung entstanden sind, die zum ordovizischen Magmazyklus (vor etwa 470 Ma) gehörten und anschließend während der herzinischen Phase (vor etwa 340 Ma) metamorphisiert wurden.
Der hier zutage tretende Orthogneis zeichnet sich durch große Kalifeldspatkristalle (sogenannte Porphyrklasten) aus, die bereits im ursprünglichen Granit vorhanden waren. Dieses Mineral verhält sich starr und verformt sich während der Metamorphose nicht, sondern dreht sich und richtet sich parallel zur Schieferungsebene aus, die es umhüllt und so die charakteristischen „Augen“ bildet (daher der Begriff „Ochiadino“, auf Deutsch „Augengneis“).
Die Metamorphose hat das Gestein verformt, seine mineralogische Zusammensetzung jedoch kaum verändert; diese besteht aus Plagioklas (milchig-weiß), Quarz (weiß-grau), Biotit (schwarz) und großen Kalifeldspat-Kristallen (glänzend weiß) sowie einer geringen Menge Muskovit mit silbernen Reflexen.
Das Vorhandensein von Plagioklas und Biotit deutet auf eine Metamorphose bei Temperaturen von über etwa 500° hin: Bei niedrigeren Temperaturen hätten sich an ihrer Stelle nämlich grünliche Mineralien gebildet, nämlich Epidot (+ Albit) anstelle des Plagioklases und Chlorit anstelle des Biotits.