Val d’Otro
Das Val d’Otro ist ein hervorragendes Beispiel für ein hängendes Tal glazialen Ursprungs. Es handelt sich nämlich um ein Seitental des Valsesia, des Haupttals, an das es über eine Gletscherstufe mit einem Höhenunterschied von etwa 500 Metern anschließt. So wie der Bach Otro heute ein Nebenfluss des Sesia ist, war auch der Otro-Gletscher einst ein Nebenfluss des Valsesiano-Gletschers.
Während des letzten Glazialmaximums (vor etwa 20.000 Jahren) war das Valsesia von einem komplexen Gletschersystem bedeckt, das aus mehreren Gletscherzungen bestand, die aus den Seitentälern kamen und im Haupttal zusammenflossen. Die einzelnen Gletscherströme wiesen unterschiedliche Erosionskraft und -intensität auf. Der aus dem Val d’Otro kommende Gletscher war kleiner als der Hauptgletscher des Valsesia, weshalb das heutige Profil des Valsesia deutlich tiefer liegt als das der Seitentäler. Hat man diese Felsschwelle überwunden, gelangt man in Otro zu wesentlich sanfteren Hängen, die der Mensch für seine Siedlungen und Tätigkeiten genutzt hat. Die Ortsteile von Otro liegen nämlich auf den Überresten einer alten Gletscharterrasse, die durch wiederholte Ablagerungen und Erosion durch den Gletscher entstanden ist, der das Val d’Otro durchquerte.