Marmor aus der Rupe Falconera
Ein Beispiel für weißen Marmor aus dem Valsesia, der einst abgebaut wurde, war der Marmo di Civiasco, auch bekannt als Marmo di Loreto. Der Steinbruch, der sich im Ortsteil Loreto in der Nähe des heutigen Klettersteigs „Ferrata della Falconera“ in Civiasco in der Gemeinde Varallo befindet, gehört ebenfalls zum Abbaugebiet Verbano-Cusio-Ossola-Valle Sesia; heute ist von dem alten Steinbruch nichts mehr übrig außer einigen vereinzelten Felsblöcken.
Geologisch gesehen gehört das abgebaute Gestein zu den paläozoischen Marmorlinsen des Kinzigitischen Komplexes von Ivrea-Verbano. Petrographisch handelt es sich um einen grobkörnigen, kalzitischen Marmor, der weiß oder grau ist, der von isotrop bis leicht anisotrop reicht, stark heteroblastisch ist und Eiseneinschlüsse aufweist; er bröckelt leicht und weist bei Einwirkung von Witterungseinflüssen und biologischem Abbau erhebliche Brüche und Risse auf, was zu Zersetzungserscheinungen unterschiedlichen Schweregrades führt.
Dieser Marmor wurde insbesondere am Sacro Monte di Varallo für die Gestaltung ebener Verkleidungsflächen verwendet, die aus glatten Platten mittlerer Größe verlegt wurden, sowie für die Herstellung profilierter Elemente (Rillen in Friesen, Sockel von Pfeilern und Säulen, Trabeationen, usw.) sowie für geriffelte Säulenschäfte aus maschinell bearbeiteten Blöcken, wobei die Bearbeitung und Endbearbeitung mit Schlagwerkzeugen erfolgte. Ein weiterer interessanter Aspekt ist seine Verwendung: Er scheint nämlich sowohl für tragende Zwecke, wie Säulen und Portale, als auch als dekoratives Element eingesetzt worden zu sein, das oft mit geometrischen oder floralen Motiven im Flachrelief gemeißelt wurde. Zu den Beispielen für seine Verwendung zählen die „Scalone Santo“, die Stufen, die Säulen, die Balustraden, die dekorativen Elemente, das Hauptportal (bekannt als „Porta Testori“) des Sacro Monte, einige Säulen, Balustraden und Verzierungen der Stiftskirche San Gaudenzio in Varallo sowie zahlreiche lokale Anwendungen im Valsesia.