Val Pogallo
Der Saumpfad entlang des Pogallo-Tals von Cicogna aus bietet einen fast vollständigen Querschnitt durch das Gebiet Strona-Ceneri, die Sandsteineinheit der Laghi-Serie.
Im ersten Abschnitt können wir die „Gneiss Minuti“ beobachten, metamorphe Gesteine, die aus feinkörnigem Sandstein entstanden sind und noch ihre sedimentäre Schichtung aufweisen. Anschließend durchquert man den „Ceneri-Gneiss“, metamorphe Gesteine, die aus grobkörnigen Sandsteinen – Konglomeraten – entstanden sind, und in der Nähe von „Ponte di Calenesc“ die Augengneisse.
Hinter diesem Horizont verschwinden die weißen Augengneis-Wände, und die Hänge nehmen ein gleichmäßiges Profil an. Auf dem Weg lassen sich die Milonite der „Linea del Pogallo“ beobachten. Die Milonite sind das Ergebnis einer plastischen Verformung entlang einer Verwerfung, die sich in großer Tiefe und bei hohen Temperaturen gebildet hat. Es handelt sich um dunkle Gesteine mit einer extrem feinen Körnung, in denen kleine, mehr oder weniger abgeflachte weiße Linsen sichtbar sind. Dabei handelt es sich um Porphyroklasten, also Mineralkristalle, die sich innerhalb der plastischen Matrix weiterhin spröde-elastisch verhalten haben.
Dieser außergewöhnliche Aufschluss (erstmals beschrieben von Boriani, 1970) stellt den tektonischen Kontakt zwischen der Ivrea-Verbano-Zone im Nordwesten, die aus Gesteinen der unteren kontinentalen Kruste besteht, und der Laghi-Serie im Südosten dar, die aus Gesteinen der oberen kontinentalen Kruste besteht. Diese tektonische Diskontinuität ist als „Pogallo-Linie“ bekannt. Ihre Identifizierung ermöglichte die Erkenntnis, dass die beiden Einheiten nicht in Kontinuität standen, sondern tektonisch nebeneinander angeordnet waren. Spätere Untersuchungen (Boriani & Sacchi, 1973) haben gezeigt, dass der ursprüngliche Kontakt zwischen den beiden Einheiten eine weitere Verwerfung ist, die als „CMB-Linie“ bezeichnet wird (nach den Initialen von Cossato-Mergozzo-Brissago, wo sie identifiziert wurde). Die Pogallo-Linie ist jünger und verschiebt die CMB um etwa 12 km nach links.